Village de Gryon Nathalie Racheter

Gryon

Die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde Gryon geht auf 1189 zurück. Damals war sie im Besitz der Abtei St-Maurice, während die benachbarten Gebiete dem Fürstbischof von Sion unterstellt waren. Vor dieser Zeit gehörte Gryon zum Gebiet von Bex und diente den Burgunder Herren als Weideland. Gryon blieb der Abtei unterstellt und ging durch die Hände mehrerer souveräner Herren, der Grafen von Savoyen, und ab 1475 bis zu seiner Befreiung 1798 der Berner. Die Einwohner von Gryon mussten für das karge Leben auf ihren steil abfallenden Böden und in ihren Wäldern hart arbeiten und erlebten schwere Zeiten. So mussten sie den Zehnten und hohe Steuern an die Adligen zahlen und wurden mehrmals von der Pest heimgesucht, und am 19. Juli 1719 zerstörte eine riesige Feuersbrunst 36 Berghütten auf der Alp von Taveyanne und 68 Gebäude im Dorf Gryon.
Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt für die “Tâtchis”, die Bevölkerung von Taveyanne, allmählich ein anderes Leben, als der aufkommende Tourismus und die Veränderungen, die er mit sich bringt, ihre bisher wichtigste Lebensgrundlage, die Landwirtschaft, mehr und mehr in eine Nebenrolle drängt.
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Die Strasse Bex-Gryon wird gegen 1857 erbaut, das Elektrizitätswerk Peuffeyre nimmt 1895 den Betrieb auf und die elektrische Eisenbahn Bex-Gryon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die neuen Verbindungswege bringen die ersten Gäste aus der Stadt nach Gryon. Familien aus Lausanne, Genf und aus dem Ausland mieten sich in den vielen Pensionen des Dorfes für die Ferien ein. Bald kommen die ersten Chalets und Zweitwohnsitze. Der berühmteste Feriengast des Orts ist sicher der Dichter Juste Olivier, der nach mehreren Aufenthalten in Cergnement 1871 nach Gryon zieht.Ein paar Einheimische entwickeln eine Tatkraft, die in den Augen ihrer Mitbürger sogar gefährliche Züge annimmt. Es tauchen Pläne zur Entwicklung des Plateau d'Anzeinde mit einer Bahn bis auf den Gipfel des Diablerets-Massivs auf. Ein Oppositionskomitee und der erste Weltkrieg machen diese Pläne jedoch zunichte.
Die touristische Entwicklung und die Bautätigkeit bleiben zwar nicht stehen, doch der Rhythmus hat sich in den letzten Jahrzehnten verlangsamt. Gryon kann stolz sein, seinen Einwohnern und Gästen noch immer eine bemerkenswert hohe Lebensqualität anbieten zu können. Das Dorf hat sich seinen familiären Tourismus, seine herzliche Ambiance und seine menschlichen Dimensionen bewahrt.

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