Salzminen und Museum © Saline de Bex

Die Salzminen von Bex, ihre Geschichte und die Methoden der Salzgewinnung

Alain Fiaux ist seit 1995 bei den Salzminen angestellt. Er führt Besucher durch das Salzbergwerk und arbeitet auch im Unterhalt der Salzgewinnungsanlagen. Er erzählt uns die Geschichte des Salzbergwerks und erklärt uns die aktuellen Salzgewinnungsmethoden.

Die Salzminen sind in der Gegend und im Heimatgefühl der Einheimischen fest verankert und von Bex nicht wegzudenken. Die Minen werden seit 1680 ununterbrochen ausgebeutet. Sie waren die erste Industrie von Bex und haben im Laufe der Zeit Hunderte von Einwohnern ernährt. Heute arbeiten rund 10 Personen in den Minen, und 3 von ihnen sind vollberuflich mit dem Salzabbau, mit Bohrungen und Unterhaltsarbeiten beschäftigte Minenarbeiter. Korrosionsschäden sind bei der Arbeit mit Salz ein ständiges Problem. Für den reibungslosen Betrieb der Anlagen sind deshalb laufend umfangreiche Unterhaltsarbeiten nötig.

Mithilfe von 110'000 Tonnen Quellwasser vom benachbarten Berg Muveran werden jährlich 35'000 Tonnen Salz abgebaut. Die für den Betrieb des Salzbergwerks benötigte Elektrizität wird im benachbarten Wasserkraftwerk La Peuffeyre produziert. Dank dieser Abbaumethode hat das Salz von Bex im Umkreis von 250 km die beste Ökobilanz.Die Salzminen mit ihren minimalen Umweltauswirkungen wurden deshalb mit dem Eco-Label ausgezeichnet. 

80% des gewonnenen Salzes werden im Winter als Tausalz für Strassen verwendet, 10% werden als Kochsalz verkauft und weitere 10% werden zu Folgeprodukten wie Kräutersalz und kosmetischen Produkten verarbeitet.

Die Entdeckung grösserer Salzvorkommen am Rhein (in der Deutschschweiz) in den 1830er Jahren und die Gründung der Rheinsalinen haben die Ausbeutung der Salzminen von Bex stark gebremst. Während jedoch in den Rheinsalinen 20 Mal mehr Salz abgebaut wird als in den Salzminen von Bex, gibt es am Rhein keine touristische Bewirtschaftung und es werden auch keine Derivate produziert.
 
Geschichte der Salzminen

Geschichte der Salzminen

Manchen Quellen zufolge sollen Ziegen gegen 1640 als erste Spuren der in der Region verborgenen Salzminen entdeckt haben. Nach einer Legende hat jedoch Jean du Bouillet, ein armer Bauer, beim Wildern in der Region Fondement (oberhalb von Bex) eine Herde von Gämsen beobachtet, die an einem Felsen leckten. Da diese Tiere sich gewöhnlich an Wasserstellen versammeln, wurde er neugierig, als er weitab vom nächsten Gewässer eine grössere Herde entdeckte. Er probierte das Wasser und stellte fest, dass es leicht salzig schmeckte.
Über 50 Jahre lang fassten Einheimische das salzige Wasser von Le Fondement in 1000 m Höhe, trugen es ins Tal hinunter und kochten es ein, um das Salz zu extrahieren. Später trieben sie Stollen in den Berg und entdeckten neue, weniger stark salzhaltige Quellen, deren Wasser sie durch mit Reisigbündeln verfüllte Gradierwerke leiteten, um seinen Salzgehalt zu erhöhen. Während die Sole langsam durch das Gradierwerk rieselt, verdunstet ein Teil des Wassers, und wenn man diesen Schritt mehrmals wiederholt, wird das Wasser mit jedem Durchlauf salziger.

Als die Quellen gegen 1680 versiegten, wurden die beiden ersten Galerien in den Fels getrieben, bis eine neue Quelle gefunden wurde. In der Hoffnung auf weitere grosse Salzfunde hat man während Jahrhunderten immer neue Galerien gebohrt. Da die ersten Spuren von Salzwasser in 1000 m Höhe gefunden worden waren, schlugen die Minenarbeiter Treppen in den Fels und gruben weiter unten immer neue Galerien. Heute kann die Luft in diesem ausgedehnten Labyrinth von Schächten, Treppen, Stollen und Tunnels sehr gut zirkulieren (CheminéeSchornsteinsystem).

Später wurde von Le Fondement ein grosser Schacht in den Berg getrieben, dessen Reste übrigens heute noch sichtbar sind. Danach wurde das Gestein mit den Salzlagern aus der Trias entdeckt, das grosse Salzmengen enthält (die Trias: das Zeitalter der Verdunstung der Meere vor 180 bis 220 Millionen Jahren): Dem im Salz vorhandenen Gips ist es zu verdanken, dass diese grossen Salzlager intakt erhalten blieben.

Bis gegen 1780 haben die Berner die Minen ausgebeutet, doch dann wollten sie den Abbau einstellen, weil er ihnen zu aufwändig erschien. Mit der Revolution von 1798 ging die Region an die Waadt über, und die Waadtländer waren entschlossen, die Minen weiter auszubeuten. Sie entschieden, das salzhaltige Gestein vor Ort auszuwaschen, statt es zu Tage zu fördern und dann erst auszuwaschen. Jean de Charpentier liess einen grossen Saal aushöhlen, in dem das salzhaltige Gestein bis zur Decke aufgestapelt wurde. Dann wurde der Saal hermetisch abgeschlossen und das Gestein in diesem Dessaloir (dt. „Entsalzungsanlage“) geflutet. Von da an wurde nicht mehr salzhaltiges Gestein aus der Mine geholt, sondern salzhaltiges Wasser oder Sole.

1840 gaben die Waadtländer das Salzbergwerk auf, weil seine Ausbeutung als zu kompliziert galt. Nun taten sich die Einheimischen aus der Region zusammen, die sich weigerten, den Salzabbau aufzugeben. Die Männer, die später als Fondateurs (dt. „Gründer“) in die Geschichte des Salzbergwerks eingingen, investierten ihr eigenes Geld und fanden Konzessionen, da sie die Arbeit vieler Jahre und die zahlreichen bestehenden Galerien auf keinen Fall aufgeben wollten. Sie fuhren fort, Säle zu fluten, das Wasser löste das Salz im Gestein, und da das Gestein wasserdicht ist, konnte die Sole abgepumpt werden. Mit diesem Verfahren wurde bis ungefähr 1920 Salz gewonnen.

Danach wurde mit Bohrungen begonnen, mit dem Ziel, sich möglichst weit in den Felsen zu bohren und Quellen zu finden. Gegen 1960, als ein französischer Erdölingenieur nach Bex kam und mit verschiedenen Bohrtechniken experimentierte, wurden Kernbohrungen aufgenommen.
 

Wie wird das Salz heute abgebaut?

Gegenwärtig wird das Salz mit einem System von Doppelrohren abgebaut, die in das Gestein eingeführt werden. Dafür wird Süsswasser aus dem benachbarten Berg mit hohem Druck in das erste Rohr eingespritzt. Unter dem Wasserdruck steigt das gesättigte Wasser im zweiten Rohr auf. Das aufsteigende Wasser, das noch zu wenig salzhaltig ist, wird mehrmals wieder eingespritzt, bis sein Salzgehalt hoch genug ist. Gegenwärtig wird von Le Bouillet auf einer Höhe von 600 m gebohrt, und einige Bohrungen reichen bis in 840 m Tiefe. Die ideale Tiefe ist jedoch 300 bis 600 m, da sich die salzhaltigen Schichten in 0 bis 300 m Höhe befinden.

Die Salzminen von Bex umfassen gegenwärtig 50 km Galerien und Bohrgänge. Die längste Galerie ist 3 km lang und verbindet 100 m unter der Erdoberfläche Le Bouillet mit Le Grand Chamossaire
 

Bex-les-Bains und die Heilwirkungen des Salzwassers

In den Jahren ab 1880 wurde die Ausbeutung der Salzwasserquellen in Bex mit der Spezialisierung auf Wellnessangebote diversifiziert. Ein Teil des Quellwassers blieb dem Betrieb der Salinen vorbehalten, während der andere Teil in Kuranlagen des Hotels Bex-les-Bains verwendet wurde, das bis in die 70er Jahre betrieben wurde. In
diesen Jahren erwarb Bex als Kurort einige Bekanntheit. Das salzhaltigen Quellwasser von Bex wirkte sich tatsächlich auf viele Gesundheitsprobleme heilend aus, und zahlreiche Gäste kamen regelmässig zur Kur, darunter Persönlichkeiten wie Tolstoi, Nietzsche, Victor Hugo, Alexandre Dumas und die Kaiserin Marie-Louise.

In den Jahren ab 1900 pries ein Genfer Arzt die Vorzüge der salzhaltigen Quellen von Bex mit folgenden Worten an: „Wenn Sie leidend sind, kommen Sie nach Bex. Geschwächte, Gebrechliche, Kranke und Sterbende kehren gesund von hier wieder heim.“

Das Wasser von Bex stand damals im Ruf, gegen 53 Krankheiten zu helfen, darunter Unfruchtbarkeit. Unter den zahlreichen angebotenen Behandlungen gab es eine gegen Rheuma, bei der man den Kranken in eine Badewanne mit Salzwasser tauchte und Elektrizität von geringer Spannung darin zirkulieren liess.

Auch allen Frauen, die eine Familie gründen wollten, wurde eine Kur mit Salzwasser sehr ans Herz gelegt. Manche Ärzte sagten sogar den jungen Mädchen, die in Bex-les-Bains eine Kur machten, eine Heirat im darauffolgenden Frühling voraus.

Das Hotel von Bex-les-Bains wurde in den 1970er Jahren geschlossen, nachdem ein Brand das Gebäude fast vollständig zerstört hatte.

 

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